Ausflug nach Dresden

Semperoper vor der Aufführung

Semperoper - das Wort hat für Musikliebhaber einen besonderen Klang. Große Namen sind eng mit der Geschichte des Hauses verbunden, so auch Richard Wagner, der im Jahre 1848 Hofkapellmeister in Dresden wurde und dessen Opern "Rienzi", "Der fliegende Holländer" und "Tannhäuser" an der Semperoper uraufgeführt wurden. Am 1. März 2019 stand "Der fliegende Holländer" auf dem Spielplan und für uns war das der Anlass, einmal gemeinsam einen Ausflug nach Dresden zu machen und eine Aufführung in der Semperoper zu besuchen. Die Sage um den fliegenden Holländer ist relativ einfach: Ein Seefahrer besteht trotz Sturms darauf, ein Kap zu umsegeln, koste es was es wolle. Er wird dazu verdammt, es bis in alle Ewigkeit zu versuchen. Erlösung kann er nur finden, wenn er eine wahrhaft treue Frau findet. Was das nun mit der Bezwingung des Kaps zu tun hat, darüber kann man trefflich streiten. Über Wagners Musik muss man, glaube ich, nicht mehr viel sagen, alle Jahre wieder wird sie anlässlich der Festspiele in Bayreuth neu erörtert. Jedoch hat mich die aktuelle Inszenierung der Handlung durch Florentine Klepper fasziniert. Sie interpretiert den Begriff "Treue" moderner, Treue bedeutet nicht den Tod, sondern jedes Paar definiert für sich, wie es den Begriff auslegt. Das finde ich spannend, denn es steht entgegen der bisherigen Auffassung des Stückes, in der Senta für den Holländer in den Tod geht und ihn damit erlöst. Für mich ist diese Inszenierung eine feministische Interpretation des Stoffes. Senta stellt sich gegen die Tradition, sie will sich nicht in den vorbestimmten Lebenslauf aus Heirat, Mutterschaft und Ehe fügen, sondern einen eigenen Weg gehen. Dabei steht ihre Liebe zum Holländer metaphorisch für die Freiheit, einen anderen Weg für sich zu wählen, auszubrechen aus dem Gefängnis der Frau. Die Gesellschaft, verkörpert durch Erik, Sentas Bräutigam, Mary (ihre Amme) und die Matrosen und Mädchen, versucht, ihr diesen Weg auszureden, sagt ihr den Untergang und ewige Verdammnis voraus. Zu allen Zeiten war es Mädchen und Frauen fast unmöglich, aus dem gesellschaftlichen Rahmen auszubrechen und ihren eigenen Weg zu gehen, nur wenige schafften es, vielen von ihnen haftete der Ruf der Sittenlosigkeit an. Auch wenn es heute für uns Frauen unendlich viel leichter als zu Wagners Zeiten ist, unabhängig zu leben - es ist immer ein schwererer Kampf als für Männer.
So hat mich diese Aufführung recht nachdenklich gemacht - aber der Abend war ja noch nicht vorbei. Einige von uns ließen den Abend an der Hotelbar gemütlich bei einem Glas Wein ausklingen, andere zogen noch einmal los und stürzten sich ins Nachtleben. Zumindest letzteres war eine lustige, feucht-fröhliche Angelegenheit. Am nächsten Tag gab es noch die Möglichkeit, an einer Führung durch die Frauenkirche teilzunehmen. Oder man bummelte noch ein wenig durch die Stadt - genug zu sehen gibt es ja immer in Dresden. Man dann zum Beispiel das Panometer besuchen - ein außergewöhnliches Museum mit Rundbildern des Künstlers Yadegar Asisi mit einer Höhe von 27 Metern. Gegenwärtig gibt es dort eine Ausstellung, in der man einen scheinbaren Rundblick vom Dresdner Rathausturm zum Zeitpunkt nach den Bombardements im Jahre 1945 hat. 
Auch interessant: eine Ausstellung im Verkehrsmuseum über den Erbauer der Hedschas- und Bagdadbahn, den Dresdner Ingenieur Heinrich August Meißner. Und für alle Kinder und die, die sich das Kind in sich bewahrt haben, gibt es eine wunderschöne Modelleisenbahnlage, jede Menge alte Autos, Motorräder, Eisenbahnen, Flugzeuge....
Und wenn man dann noch nicht genug von technischen Errungenschaften hat, kann man noch weiter in der Zeit zurückgehen und im Zwinger den Mathematisch-Physikalischen Salon besuchen und sich das Hightech zur Zeit August des Starken ansehen. Die Sammlung enthält historische Messgeräte für Längen, Temperatur, Gewicht und Volumen, Brennspiegel, eine Globensammlung, optische Geräte und vieles mehr. 
Man kann also eine ganze Menge abseits von Gemäldegalerie und Grünem Gewölbe unternehmen. Wir haben den Ausflug jedenfalls sehr genossen und bedanken uns herzlich bei Falk, der bereits im Sommer vergangenen Jahres den Ausflug für uns organisiert hat.